Wehret den Anfängen.


Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht mit Tierquälerei konfrontiert werde. Sei es durch meine Gespräche mit Tieren, die mir von erlebten Quälereien berichten, oder Berichte in den Medien.

Bei manchen Geschichten habe ich das Gefühl, dass sie in ihrer Rohheit nicht zu übertreffen sind. Doch einige Zeit später werde ich eines Besseren belehrt, es geht immer noch schlimmer und brutaler.

Wir leben im Jahr 2010, zeitlich gesehen könnten wir in einer zivilisierten und kultivierten Welt leben, doch weit gefehlt.

Das zeigen mir Fotos oder Filmmaterial, die zum Beispiel das barbarische Abschlachten von Grindwalen zeigen. Ein Ritual, das regelmäßig vor den Faröer Inseln praktiziert wird. Dort beweisen junge Männer ihre Männlichkeit, indem sie ihre Eisenhaken in Delfinkörper rammen. Diese Delfine sterben dort einen langsamen, dafür umso qualvolleren Tod, unter dem jubelnden Gegröle von unzähligen „menschlichen“ Zuschauern. Eine uralte Tradition, von Generation zu Generation überliefert.

Es gibt auf dieser Welt noch unzählige solcher Rituale und immer sind es Tiere, die dort auf grausame Weise ihr Leben lassen.

Aber es sind nicht nur die Rituale, sondern auch viele zweifelhafte Urlaubsvergnügen. Leider immer noch Stierkämpfe, Besuche in Delfinarien, Kamelritte und vieles mehr.
Doch das würde jetzt den Rahmen sprengen.

Als Titel habe ich „Wehret den Anfängen“ gewählt, weil ich damit sagen möchte, dass der Tierschutzgedanke im „Kleinen“ gesät werden muss, damit irgendwann dieser Tierschutzgedanke von Generation zu Generation überliefert wird.

Viele Erwachsene finden zum Beispiel gar nichts dabei, wenn kleine Kinder Tauben oder Enten jagen / verjagen.

Das wird belächelt und als harmloses Kinderspiel betrachtet. Aber aus Sicht des gejagten Tieres ist es kein Kinderspiel. Besonders die Tauben, die in den Fußgängerzonen gejagt werden, können sich bei der Flucht verletzen. Sie fliegen in Panik gegen Hauswände, Bänke, Bestuhlungen jeglicher Art und andere Hindernisse. Dabei ziehen sie sich auch Verletzungen zu. Doch auch ohne Verletzung ist diese Jagd eine Form von Tierquälerei.

Denn diese Tiere haben Empfindungen und sie können Angst fühlen, genau wie wir. Versetzen Se sich bitte in die Größe und in die Sichtweise einer Taube, da ist ein Kleinkind ein überdimensionaler Riese.

Schon bei diesem „Kinderspiel“ kann man einem Kind erklären, dass das Jagdobjekt ein Lebewesen ist, mit Gefühlen und Ängsten. Bereits hier muss ein Umdenken stattfinden.

Man darf nicht eine Tierquälerei durchlassen, ein Auge zudrücken, aber andere Tierquälereien verdammen.

Aber Kinder lernen ja auch frühzeitig mit der Fliegenklatsche umzugehen. Egal wie nervend Fliegen empfunden werden, auch sie sind Teil von Gottes Schöpfung, nebenbei erwähnt, ein ganz besonders filigranes Wesen, an dem Gott bestimmt lange getüftelt hat.

Wenn wir so sorglos Tiere erschlagen, in unserer Wohnung, was sollen Kinder von uns lernen?

Warum messen wir mit zweierlei Maß?

Hier gilt es anzusetzen, im Kleinen.

Wie oft höre ich von Hundehaltern. Mein Hund ist so lammfromm, mein Kind kann mit dem machen was es will. Egal wie grob zugepackt wird, gezwickt, oder auch mal drauf gehauen, mein Hund tut nichts.

Sehr löblich von dem Hund. Aber warum lassen wir Menschen es denn zu, dass das Menschenkind so grob mit dem Haustier umgeht? Nur weil es das Tier erduldet?

Auch das ist eine Form der Tierquälerei und die findet tagtäglich im häuslichen Bereich statt.

Ich kann allen Lesern nur zurufen: „Wehret den Anfängen!“. Denn nur wenn wir Tierschutz säen, kann daraus Tierschutz erwachsen.

29.05.2010 Iris Soukup